Bevor ich Kinder hatte, habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob Elternschaft etwas mit Lernen oder beruflichen Kompetenzen zu tun hat. Natürlich verändert sich der Alltag. Aber dass man dabei eine Art Weiterbildung in Entscheidungsfindung durchläuft, war mir vorher nicht klar.
Rückblickend ist genau das passiert.
Entscheidungen unter Unsicherheit
Schon in der Schwangerschaft fängt es an.
Beim Ersttrimesterscreening muss man entscheiden, ob man bestimmte Untersuchungen durchführen möchte oder nicht. Die Ergebnisse liefern selten klare Diagnosen, sondern Wahrscheinlichkeiten. Bei uns war ein Markerwert erhöht, der statistisch mit einer Chromosomenstörung korrelieren kann. Gleichzeitig war die Wahrscheinlichkeit insgesamt immer noch sehr gering.
Wir haben uns gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden. Die Ärztin empfahl außerdem vorsorglich Aspirin. Auch dagegen habe ich mich entschieden, weil ich nicht allein auf Basis eines korrelierten Markerwerts Medikamente einnehmen wollte.
Eltern treffen ständig solche Entscheidungen:
Wahrscheinlichkeiten verstehen und trotzdem handeln.
Ähnlich war es nach einer Frühfehlgeburt nach unserem ersten Kind. Ich habe damals relativ viel Statistik dazu gelesen und festgestellt, dass ein großer Teil aller Schwangerschaften früh endet – viele sogar, bevor jemand überhaupt weiß, dass eine Schwangerschaft besteht.
Das hat mir geholfen, die Situation einzuordnen.
Heute bin ich bei medizinischen Fragen deutlich ruhiger als früher. Ich recherchiere zwar im Internet, aber ich kann Informationen inzwischen besser einschätzen. Und wenn ich unsicher bin, frage ich Menschen aus unserem Umfeld, die medizinisch arbeiten.
Organisation wird zur Kernkompetenz
Mit Kindern verändert sich auch Organisation ziemlich schnell.
Heute stehen alle Termine in einem Online-Kalender. Zusätzlich habe ich einen Papierkalender für das laufende Jahr und ein Whiteboard für die nächsten zwei Wochen. Wichtige Termine gehen direkt als Kalendereinladung an meinen Mann.
Pufferzeiten plane ich grundsätzlich ein – mindestens fünfzehn Minuten. Und ich entscheide mich meist für das Verkehrsmittel, das die geringste Notwendigkeit für Zeitpuffer mit sich bringt. Das ist für uns übrigens aktuell innerstädtisch das Lastenrad.
Mit mehreren Kindern wird außerdem Priorisieren zur Kernkompetenz. Arzttermine sind wichtiger als Hobbys. Berufliche Termine müssen abgestimmt werden. Und manchmal ist die wichtigste Entscheidung, die Kinder länger in der Betreuung zu lassen, obwohl man in Elternzeit ist, weil man merkt, dass man diese Zeit für sich selbst braucht.
Systeme verstehen
Eltern lernen außerdem erstaunlich viel über staatliche Systeme, sei es, zu verstehen, dass Elterngeld und Elternzeit zwei verschiedene Dinge sind, die genaue Einkommensbasis (zu versteuerndes Einkommen) für die Einkommensgrenze beim Elterngeld oder die Frage, was eigentlich Kinderkrankentage sind und was diese von eigenen Kranktagen unterscheidet.
Experten über Nacht
Ein weiterer Nebeneffekt von Elternschaft ist, dass man in erstaunlich kurzer Zeit Experte für Produktkategorien wird, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren.
Am Anfang steht zum Beispiel die Entscheidung für einen Kinderwagen. Kurz darauf stellt man fest, dass Tragen für Babys oft praktischer ist. Also beschäftigt man sich plötzlich mit Tragetüchern, Half-Buckle- und Full-Buckle-Tragen – eine Welt mit erstaunlich vielen Details.
Ähnlich läuft es später mit anderen Themen: Fahrradtransport, Kindersitze, Anhänger oder Lastenräder. Innerhalb weniger Wochen weiß man mehr über diese Produkte, als man je geplant hatte.
Ein Beispiel dafür ist unsere eigene Entscheidung für ein Lastenrad, die wir in einem separaten Artikel ausführlich analysiert haben.
Auch das ist eine typische Elternkompetenz:
sich sehr schnell in neue Themen einzuarbeiten, weil der Alltag eine Entscheidung verlangt.
Resilienz
Neben Organisation und Entscheidungsfähigkeit lernen Eltern noch etwas anderes: Resilienz.
Wer jemals während einer Autofahrt als menschliches Kotzschild fungiert und dabei gleichzeitig fröhlich Biene Maja oder Pippi Langstrumpf gesungen hat, um das andere Kind bei Laune zu halten, weiß ungefähr, wovon ich spreche. Resilienz und Stressresistenz entwickelt man so unweigerlich.
Warum BM3B entstanden ist
Mit mehreren Kindern merkt man irgendwann, dass viele Entscheidungen im Familienalltag komplexer sind, als sie zunächst wirken.
Welche Mobilitätslösung funktioniert wirklich?
Welche Produkte erleichtern den Alltag tatsächlich?
Welche Kosten entstehen langfristig?
Viele Antworten im Internet sind entweder sehr persönlich oder stark marketinggetrieben.
BM3B versucht deshalb etwas anderes: Entscheidungen strukturiert zu betrachten.
Welche Optionen gibt es?
Welche Kosten entstehen?
Wie groß ist der Nutzen im Alltag?
Wie praktikabel ist eine Lösung wirklich?
Die Idee ist nicht, universelle Empfehlungen zu geben.
Sondern Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer zu machen.
Die eigentliche Erkenntnis
Elternschaft wird oft als Belastung beschrieben.
Was dabei leicht übersehen wird: Eltern lernen dabei unglaublich viel.
Sie lernen, Informationen zu bewerten.
Sie lernen, Risiken abzuschätzen.
Sie lernen, Prioritäten zu setzen.
Oder anders gesagt:
Eltern treffen jeden Tag Entscheidungen unter Unsicherheit – und werden darin mit der Zeit erstaunlich gut.
Ein Beispiel für eine solche Entscheidung ist unsere Analyse zur Familienmobilität. Die zugehörigen Artikel:
Familienmobilität mit drei Kindern: Warum ein Lastenrad funktional die einzige sinnvolle Lösung war
Lastenrad kaufen oder leasen? Eine strukturierte Entscheidungsanalyse
